Archiv | 10. Mai, 2012

10.05.2012 Düsseldorf

10 Mai

10.05.2012: DUS

03:00 Uhr: Ich schrecke hoch, höre das Klingeln meines Diensthandys, greife schlaftrunken im Automatismus das Telefon und sehe: … Nichts! – Mein Traum hat mir offenbar einen Streich gespielt. Der Rest der Nacht vergeht sehr unruhig.

07:00 Uhr:  Ich fühle mich nicht sonderlich erholt als ich die Nachtruhe beende. Wie gesagt, man gewöhnt sich an das frühe Aufstehen. Wäre ja nicht so schlimm, wenn unsere Dienste auch immer konstant wären und wir ständig in einer Zeitzone blieben…

07:30 Uhr: Sitze im Frühstücksraum und trinke Kaffee. Viel davon. Neben mir ist mein Laptop aufgeklappt und ich wähle mich unruhig in mein Online-Dienstplan ein, um zu sehen, ob mein Bereitschaftsdienst für heute schon etwas offenbart. Da wir nie wissen wie lange wir aus der Bereitschaft gerufen werden, ist mein Koffer hastig vollgestopft mit allem erdenklichen, von FlipsFlops und kurzer Hose für Karibik oder Thailand, bis zu einer warmen Jacke, festen Schuhen und anständigen Klamotten für einen kanadischen Frühling. Der Koffer wiegt dementsprechend, zum Glück ist unsere Firma noch nicht auf die Idee gekommen das Gewicht der Koffer von uns Mitarbeitern zu beschränken. Wäre auch nicht realistisch. Ich packe ihn aus und wieder ordentlich ein. Irgendwie muss man ja was Sinnvolles tun. Jetzt ist jedenfalls alles schön ordentlich…

12:00 Uhr: Immer noch kein Abruf aus der Bereitschaft. Sehr ungewöhnlich, ich rufe daher vorsichtshalber mal bei unserer Crew Control an und frage scheinheilig nach. “Nein”, heisst es, “alles in bester Ordnung, der Tag ist ruhig und es gibt noch ausser mir noch zwei andere Piloten auf Standby in Düsseldorf”. Na super! – Wäre ich jetzt Zuhause, wäre das alles halb so schlimm, ich hätte dann zumindest auch meine Familie um mich. Zwar könnte ich nicht aus dem Haus, aber trotzdem vieles erledigen. So sitze ich einen mir sinnlos vorkommenden und langen Tag in einem Hotel rum, lese, zappe durch die Kanäle des TV und bin trotzdem die ganze Zeit irgendwie angespannt. Wenn das so weiter geht, sollte ich vielleicht nach Düsseldorf umziehen? Den Gedanken verwerfe ich jedoch auch schnell wieder. Meine Frau wäre überhaupt nicht erbaut davon und für die Kinder heißt das auch Stress.

20:00 Uhr: Mein Bereitschaftsdienst ist zu Ende. Ich bin irritiert, dass ich nicht abgerufen werde. In en letzten Jahren ist das eigentlich eher eine Seltenheit geworden. Dank dem immensen Kostendruck in der Branche wurde die Personaldecke extrem ausgedünnt. Es wird inzwischen mit kaum, bis zu gar keiner Reserve gearbeitet, was schnell zu einem fürchterlichen Chaos führen kann. Siehe die letzten Tage. Jetzt sitze ich noch ein wenig an meinen Laptop, um 22:00 Uhr gehe ich schlafen, denn morgen habe ich einen “normalen” Flugdienst.