13.05.2012: Frankfurt* – Düsseldorf – Nairobi

13 Mai

13.05.2012:  FRA*-DUS-NBO

07:00 Uhr: Sonntag. -Eigentlich könnte ich heute etwas länger schlafen, nein eigentlich MÜSSTE ich heute sogar etwas länger schlafen bei dem bevorstehenden Flug in der kommenden Nacht, aber meine Kinder haben andere Pläne für mich und stehen zu so früher Stunde schon am Bett. Schwierige Entscheidungen müssen ad hoc gefällt werden: erst spielen oder erst frühstücken. Ich entscheide mich für erst mal aufstehen und ins Bad gehen und überlasse die Animation der Kinder meiner Frau.

10:00 Uhr: Nach einem ausgiebigen, dreistündigen Familienvormittag packe ich meinen Koffer für die nächste Tour. Für heute steht erst mal nur eine Anreise nach Düsseldorf mit der Bahn an. Ich überlege kurz, ob es sich lohnt, eine Platzkarte zu kaufen und entscheide mich dagegen. Meine Fluggesellschaft hat bei ihrem letzten Sparprogramm entschieden, nur noch die Bahntickets für ihre Piloten zu kaufen, keine Platzkarten mehr. Ich pokere und hoffe, nicht bis Frankfurt auf meinem Koffer sitzen zu müssen.

14:30 Uhr: Kaum zuhause gefrühstückt, schon bin ich in Düsseldorf angekommen. In dem altbekannten Hotel werde ich inzwischen schon namentlich begrüßt, als ich nur an den Tresen gekommen bin. Zimmer 234. Das gleiche wie letztes mal. Wenigstens ist das Zimmer auf der Rückseite des Hotels und recht ruhig. Ich muss vorschlafen, denn in ein paar Stunden geht es schon weiter.

17:00 Uhr: Ich liege im Bett und lese ein Buch. Das Abendessen von der spiessigen Kneipe nebenan liegt mir etwas im Magen. Die Vorhänge habe ich schon zugezogen und versuche, mich irgendwie müde zu bekommen. Für 22:30 Uhr habe ich meinen Wecker gestellt.

18:30 Uhr: Im halbe-Stunde Rhythmus schaue ich auf meinen Wecker…

20:30 Uhr: Der Wecker klingelt. Gerade jetzt. Ich habe vielleicht drei Stunden geschlafen und habe keinerlei Zweifel daran, dass ich gerade jetzt noch viel länger hätte schlafen können. Egal, die Arbeit ruft. Meiner Frau schicke ich noch eine SMS und wünsche Ihr eine gute Nacht.

21:30 Uhr: Frisch rasiert und geduscht mache ich mich auf den Weg zum Flughafen.

22:30 Uhr:  Mit einem Kaffee in der Hand stehe ich beim Briefing. Meinen Kollegen, mit dem ich heute Nacht das Cockpit teilen darf, kenne ich schon: Ein sehr junger Kollege, der bestimmt nicht vor über 17 Stunden von seinen Kindern geweckt worden ist. Ob er aber deswegen wacher ist als ich glaube ich jedoch nicht, wenn ich ihn so da stehen sehe.

23:50 Uhr: Auf die Minute genau wird unser Flieger aus der Parkposition geschoben. Noch zähle ich die Tassen Kaffee, die ich zu mir nehme. Der Pegelstand ist seit dem Aufstehen in Frankfurt bei 3 grossen Tassen angekommen. Mein Kollege trinkt nur Wasser und ich frage mich, wie er es schafft, trotzdem wach zu bleiben.

4 Kommentare für “13.05.2012: Frankfurt* – Düsseldorf – Nairobi”

  1. Johanneskirche 16. Mai, 2012 at 14:04 #

    Jetzt geht das Barmen aber ein bißchen zu weit. So schlecht sind die Piltobengehälter auch nocht nicht, daß man sich nicht eine Platzkarte für 2,50 € kaufen könnte.
    Es gibt genug Berufe, wo man auch auf einem Teil der Kosten sitzen bleibt. Z.B. kann ich bei einer Arbeit mit Kundenkontakt meinen Anzug auch nicht steuerlich geltend machen, obwohl der Kunde ein Auftreten mit erwartet.

    “Mein Kollege trinkt nur Wasser und ich frage mich, wie er es schafft, trotzdem wach zu bleiben.” Das ist aber erstaunlicherweise so. Habe ich am eigenen Leibe festgestellt. sollten Sie auch mal probieren (Kaffee ist ohnehin wasser entziehend.).

  2. charly over 16. Mai, 2012 at 14:20 #

    Lieber “Johanniskirche”.

    Es geht nicht um die Gehälter und auch nicht um Platzkarten. Klar kann ich mir ne Platzkarte leisten, aber wer garantiert mir, dass ich auf dem Zug, für den ich diese habe auch endgültig lande? Erst einmal kann sich da was ändern und man sitzt auf einem Späteren, 2. hab ich es oft genug erlebt, dass ich zwar – auf eigene Kappe – mir ne Platzkarte besorgt habe, aber die liebe Bahn dann kurzfristig den Zugeinsatzplan umgeschmissen hat und damit die Platzkarten hinfällig waren.

    Auch habe ich schon oft genug, trotz Platzkarte eben auf meinem Koffer im Gang gesessen, gerade zu den Stosszeiten auf bestimmten Strecken. Da kann ich die Kohle lieber gleich beim Lotto einsetzen, das ist vermutlich sinnvoller und effektiver.

    Abgesehen davon nennt sich das was wir da machen “Proceeding” und wie wir wann und wo proceeden und mit wem, dafür ist der Arbeitgeber zuständig. Da gibt es auch reihenweise Leute in den Reisestellen, deren Aufgabe es ist, genau dies sicherzustellen.

    Und zum Thema Gehälter: ein junger Copilot startet mit einem Anfangsgehalt von 2.500 – 2.800 Euro und darf in aller Regel, so nebenbei und in den ersten Jahren seine Ausbildungskosten (einschliesslich Typenberechtigung) von schlappen 80.000 Euro (und da sind die Lebenserhaltungskosten und Miete etc für die Zeit der Ausbildung noch nicht drin) zurückstottern. Je nach Hausbank mit saftigen Zinsen… Nur mal am Rande…

  3. ExecPolit 18. Mai, 2012 at 10:00 #

    Ich hab vor anderthalb Jahrzehnten auch mit 2500 angefangen… in DM! Eine häufige von Sagen und Gerüchten angetriebene Meinung unter den Fußgängern. Auch bei Piloten gibt es die ganze Spannweite von Hungerlöhnen bis hin zu fürstlichem Gehalt. Letzteres besonders in der Exec-Fliegerei, wenn man denn bereit ist, sein Privatleben komplett aufzugeben, auf Flugdienst- und Ruhezeiten zu verzichten und in China zu leben mit drei Wochen Urlaub zuhause…

    • charly over 19. Mai, 2012 at 15:27 #

      Welcome to the material world – Du solltest dich wirklich dringend mal mit den Kollegen bei der Vereinigung Cockpit, AG Executive Aviation, in Verbindung setzen. Gemeinsam ist man “stärker” ;-)

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